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Fachbrief  
Eine Geschichte zum Nachdenken: Ein Abend in der Wunder-Bar


Nun ist es Dezember geworden, der Monat des Weihnachtsfestes und der Ausklang des Jahres. Ein Jahr, das für viele von uns bewegend war, voller Bewegung war, in die eine oder andere oder irgendeine Richtung. Herausforderungen der einen oder anderen Art durften wir erleben. 

All das bewegt auch Florian. Florian – er ist von Beruf Barkeeper, seine Leidenschaft ist es, Getränke zuzubereiten, Drinks, leckere Kalt- oder Warmgetränke. Er arbeitet in der „Wunder-Bar“, einer kleinen aber feinen, von Haltung und Anspruch getragenen Bar. Florian ist umgänglich, mag Musik, schätzt die Kunst. 

Es ist eines Abends gegen 20.00 Uhr, die beginnende Betriebsamkeit ist noch jung. Die Musik leise. Die Kerzen brennen. Der Geruch ist eine Mischung von Frische, leichtem Zitronenaroma und Tannennadeln … Aufgrund der sehr dem Leben zugewandten Haltung setzen sich verschiedene Stoffe gar nicht erst ab. Es ist zu fröhlich dort. Diese innerliche Fröhlichkeit, die das Leben annimmt und es nicht wegstößt. Auch wenn es manchmal mit anscheinend nicht so lustigen Themen daherkommt. Ja, in dieser Umgebung hält sich nicht alles. Kein Platz, um anzudocken … 

Da treten zwei Gäste ein. Er, ein mittelgroßer Mann, gepflegt. Sie, chic, modisch – aber sehr natürlich, dezent geschminkt, voller Tatendrang. Die beiden gehen zügig auf die lange, aus Mahagoniholz erstellte Bar zu. Sie ist zu zwei Dritteln Mittelpunkt dieses Ortes, der voll dem Einrichtungsgeschmack von Florian entspricht. Alles hat er so, wie er es wollte. Seine Identität ist überall, insbesondere in den Kleinigkeiten zu spüren. Vieles aus der Welt seiner Reisen, seiner Erlebnisse ist hier auf die eine oder andere Weise sichtbar. Dieser Ort heißt nicht umsonst „Die Wunder-Bar“. Er ist auch wunderbar. Eben für Menschen, die diesen Geschmack teilen, ihn irgendwie auch in sich tragen oder ihn erstreben, kombiniert mit einer Sehnsucht. 

Florian fragt galant, mit leicht sonorer Stimme, großem inneren Interesse, aber sich zurückhaltend im Ausdruck, nach ihrem Wunsch. Sie entgegnet wie immer: „Den Entspannungs-Cocktail.“ 
Er bestellt, nachdem Florian sie dezent mit einem freundlichen, aber unaufdringlichen Kopfnicken an der Bar begrüßt hat, den „Amorioso Cocktail“ und für sich einen Scotch, aber mit Zitrone und Zimt. Florian erkennt diesen Geschmack sofort und weiß ihn gleichermaßen einzuschätzen. Seine Wahrnehmung betreffend diesem Getränkewunsch ließ ein Lächeln über seine Mundwinkel ziehen. „Guter Typ“, dachte er, „wird ein guter Abend mit den beiden.“ Öfters schon hatten sie sich mit den Blicken berührt und es zugelassen. 

Die Drinks kommen, höfliches dezentes Zuprosten. Die ersten Schlucke genommen, stellen sie ihre Gläser geräuschlos ab. Da beginnt sie auch schon in einer aufgeregten Stimmung, natürlich dem Ambiente angemessen, ihre Sorgen zu berichten. Ihr Firma, sich in der ersten Generation befindend, weist Schwierigkeiten auf. Sie bekommt nicht das Betriebsergebnis, welches sie sich vorstellt. Und das schon das dritte Jahr nicht. Es ist zwar nicht schlecht, aber eben nicht da. 

Gregorius, so der Name von ihrem Partner des Abends, denkt nach und beginnt einiges aus seiner Erfahrung zu berichten … Sie hört zu. „Hm-hm, hm-hm“, kleine Laute des anerkennenden Zustimmens übertünchen aber nicht ihr Gefühl, dass es eben doch nicht trifft. Gregorius bemerkt das nur zum Teil. Zu sehr ist er von ihrer natürlichen, liebreizenden Art angetan. Er schwankt zwischen „ihr wirklich zuhören“ und „sich etwas interessant machen vor ihr“. Sie, Jasmin, bemerkt dies ebenso. Auch Gregorius fühlt sich ob seines inneren Ansinnens etwas ertappt, wie auch Florian die ganze Sache mitbekommt. Er ist extrem gut in diesen Dingen – zuzuhören und die Themen von verschiedenen Kunden seinerseits gleichzeitig zu erfassen, das ist Teil seiner beruflichen Vita. 

Florian, der mittlerweile von beiden, Jasmin und Gregorius, als sehr angenehm empfunden wird, wird eingeladen auf einen Drink seiner Wahl. Er bedankt sich mit den Worten: „Ich nehme einen 'Futurella-Cocktail', der ist das Ergebnis jahrelanger Experimente. Ich versuche, das für meinen Geschmack Beste zu kreieren, was ich kann. Nicht bei einem mittelmäßigen Ergebnis stehenzubleiben, da, wo die Gäste schon jubelten, sondern beharrlich meinen Ansprüchen Folge zu leisten und weiter zu gehen. Weiter zu gehen in die Richtung, die ich oft nur erahnte, aber wo ich gleichzeitig auch wusste, dass da, wo ich war, nicht das war, wo ich sein wollte. Aber ...“ und so fährt Florian fort, der nun in seinem Element ist und merkt, wie Jasmin ihre Aufmerksamkeit nur noch auf ihn gerichtet hat, „ … das Ganze hat einen Preis. Der Preis, den zu zahlst, ist, dich niemals mit etwas zufriedenzugeben, wenn es nicht das ist, was du wirklich willst.“

Jasmin ist ergriffen, Gregorius fühlt sich noch mehr ertappt durch die eindeutige Haltung von Florian in Relation zu seiner doch Jasminscher Schönheit fröhnenden Art des Sich-Ausdrückens. Florian, der sich auch dessen gewahrt wurde, bezieht Gregorius charmant in seine Ausführungen ein. Gregorius schließt sich sichtlich dankbar und rasch Florians Haltung an, und die Sache ist erst mal von Tisch. Florian führt weiter aus, nachdem sie schon beim „Du“ angekommen sind: 

„Jasmin, ich mixe Cocktails. Und der Cocktail, den du trinkst, der schmeckt immer gleich. Es ist deshalb so, weil die gleichen Bestandteile dafür sorgen, dass immer das gleiche Ergebnis herauskommt. Es geht auch gar nicht anders. Die gleiche Menge und der gleiche Inhalt werden immer das gleiche Resultat liefern.“ 

Jasmin kann, genau wie Gregorius, dem nur zustimmen. Ein zweiter Drink derselben Art wird zubereitet, an dem Florian genau demonstriert, aus welchen Zutaten das Getränkt besteht, um den gleichen Geschmack zu erzeugen. Florian bekräfigt seine Rede, indem er dieses Betrachtungsmodell auf alle seine Cocktails ausdehnt. Jeder Geschmack hat seine Zutaten und seine Herstellungsart. 

Nun baut Florian die Brücke zum dreijährigen Betriebsergebnis von Jasmin. 
„Weißt du, Jasmin, um das gleiche Ergebnis zu bekommen, verwendest du einfach die gleichen Informationen und Zutaten, auch die gleiche Art ist anzunehmen, was  geschieht. Das geschieht, indem die Informationen deiner Mitarbeiter und dir zu deinem Betriebsergebnis beitragen und es letztlich verursachen.“

Jasmin wird immer aufgeregter – ein innerliches „Ja, endlich hat das jemand verstanden!“ Ein Blick zu Gregorius, welcher sich sehr beipflichtend gibt, sichert sie noch zusätzlich ab. Gregorius bemüht sich sehr, in diesem historischen Moment nicht seinem „Oh-Jasmin-Verlangen“ nachzugeben.
Was bedeutet das? Florian nimmt sich nun zurück, denn er bekommt auf einmal das ganze. sich nun in Bewegung setzende Gedankengebäude bei Jasmin mit:

„Das heißt, ich muss feststellen, welches Ergebnis bekomme ich, mit welchen Informationen und Kenntnissen erreichen wir/ich es … Dann mir das Ergebnis vor Augen führen, welches ich anstelle wünsche … Und letztlich dazu die Zutaten erarbeiten, die einfach fehlen oder die nicht dazu passen. Ich brauche aber ein klares Ergebnis, also einen Namen und einen Geschmack ähnlich eines Cocktails, den ich erwünsche ...“ 

Jasmin bebt innerlich, die Anspannung von jahrelangem Überlegen gerät in Bewegung. Sie wird immer kreativer. Gregorius ist mittlerweile so angesteckt von dieser Begeisterung, dass er flugs sein eigenes Leben gemäß dieser Theorie analysiert und sofort entdeckt, was getan werden muss. 

Auch stellt Jasmin fest. Überall, wo es nicht das gewünschte Ergebnis gibt, stimmt die Zutatenmischung nicht. Die Zutatenmischung ist es. Es kann etwas fehlen, vom anderen zu viel sein, vom Dritten zu wenig und so weiter. Jasmin und Gregorius kommen immer mehr auf eine Wellenlänge. 

„Also ...“, so stellt Gregorius analysierend fest, so tuend, als hätte er es erfunden: 
„1. Neues Ergebnis feststellen. Wo will ich hin? Wie sieht das ganz genau aus? Welche Einzelheiten gehören dazu? 
2. Altes Ergebnis untersuchen. 
3. Zutaten und Bestandteile, die in Form von Informationen, Wissen und Können zum alten Ergebnis führten, untersuchen. 
4. Welche Bestandteile sind für das neue Ergebnis brauchbar – und welche nicht? 
5. Feststellen: Was fehlt? Wofür gibt es keine Antwort? Was weiß ich nicht, welche Infos brauche ich? Und so weiter.  
6. Wo bekomme ich dieses Wissen her? 
7. Es mir aneignen.
8. Neues Ergebnis erbringen. 
9. Die Zutaten genau beobachten, die zu diesem Ergebnis führten, und ...
10. … Wiederholen … Und was auch immer.
11. Nächstes Gebiet verbessern!“ 

Jasmin stimmt, sich noch immer in ihrer sich ausdehnenden Begeisterung wohlfühlend, dem Gregorius nun richtig zu. 

„Ja“, so Florian, „der Wunsch nach dem neuen Ergebnis wird dich zu dem führen, der dir dabei helfen kann. Aber achte darauf, dass der, der dir die Ratschläge gibt, selber erfolgreich ist oder es war. Fehlschläge erlebt zu haben, das ist kein Zeichen von Erfolglosigkeit. Sie nicht analysiert zu haben und logischerweise erneut zu scheitern wohl eher. Auch die Lücke, die ein Fehlschlag reißt, nicht mit neuem Wissen und Können gefüllt zu haben, führt nirgendwo hin, außer in eine Version von 'Und täglich grüßt das Murmeltier'. Eine Geschichte, welche die schier endlose Wiederholung eines Lebensabschnittes in Filmform zeigt.
Scheitern ist ein Geschenk, aus dem du den Schatz des Erfolgs schöpfen kannst. Denn der Umstand, dass du es angefangen hast, zeigt, dass du in der Lage bist, es zu schaffen. Aber eben mit der richtigen Mischung der Zutaten.“

Nachdem sie nun das dritte Glas geleert haben, sagt Jasmin: „Florian, ich habe gerade entschieden. Ich werde (1) bis (11) auf meine Firma umsetzen. Kann ich noch ein Getränk haben? Ich möchte nun etwas Belebenderes!“
Florian bemerkt die Veränderung. „Wie soll es schmecken?“ - Sie will eine Mischung aus Zitrone, Minze und Kokos. 
Florian verweist darauf, dass dies aber nun mit anderen Zutaten möglich sei, worauf Jasmin und Gregorius lachend und verstehend bejahen. 

Jasmin bekundet nun, Hand in Hand mit dem glücklichen Gregorius an ihrer Seite, dass sie bereit ist, etwas Neues auszuprobieren, sich einfach auf etwas Neues einzulassen. Eben um ein neues Ergebnis zu bekommen. 

Florian sagt: „Der Schlüssel ist, den Weg, um das neue Ergebnis zu bekommen, ganz genau zu analysieren, wie schon gesagt, in puncto: Was, betreffend das neue Ergebnis, ist bekannt und gekonnt? Und was stellt sich als unbekannt heraus oder nicht oder nur teilgekonnt?“

Jasmin wird im Lauf des Abends noch so viel klar, weil sie mit Gregorius viele Beispiele macht, aus denen sie immer mehr die „Einfachheit des Cocktailmixens“ erkennt. Sich lachend umarmend, sich vor Herzlichkeit drückend, verlassen sie zu später Stunde Florian und seine „Wunder-Bar“.  

Florian schließt spät nachts seine Bar, dreht das Schild von „Open“ auf „Always open“ und flüstert der Welt zu: 

„Schöne Weihnacht, du gute Welt und all euch Bewohnern! 
Das, was ist, ist die Summe dessen, was gedacht wird auf der Basis der Informationen, die ihr glaubt zu haben.
Aber ihr habt mehr in euch!
Wendet euch dem Fortschritt der Persönlichkeit und der Menschlichkeit zu. 
Die Technik und die Moderne alleine sind nur ein Teil der Entwicklung.

Erwünscht die Ergebnisse, die ihr wollt – ihr seid allsamt wunderbar!“


Geschrieben von Florian aus der Wunder-Bar.