SiTa Consulting

Die beste Werbung für eine SiTa Beratung ist eine SiTa Beratung

Fachbrief 
Die Welle 


Was ist damit gemeint – eine Welle? Wir alle kennen es, am Meer zu sein. Sonne, baden, im Wasser plantschen, schwimmen und so weiter. Und so hatte ich mit meinen Freunden vor einigen Jahren auf  Lanzarote einen Halburlaub genossen. „Halburlaub“ deshalb, weil wir ein Seminar veranstalteten, das wir mit Badeurlaub kombinierten. Die Seminarteilnehmer nahmen ihre Familien mit, und so wurde es ein fachlich fördernder Kombi-Urlaub. Es ist sehr gut gelungen. 

Eines Tages standen wir am Wasser und sahen, wie eine relativ große Welle auf uns zurollte. Es war windig an diesem Tag. Die Wellen nahmen an Größe zu, und da war eben auch diese eine. Wir standen mit den Füßen im bewegten Wasser. Die ersten kleinen Wellen bemerkten wir kaum. Die etwas größeren schwappten das Wasser bis zum Bauch hoch, die noch größeren bewegten den Körper. Und wir blieben immer stehen, die Welle warf uns nicht um und tat uns auch sonst nichts. Es war emotional auch nicht bewegend. Je höher die Wellen wurden, insbesondere die, die unsere Körper bereits bewegen konnten, fingen an, uns auch mental zu bewegen: Wie verhalten wir uns? Was ist zu tun? Und so weiter. 

Ich beobachtete, wie es unter den Freunden verschiedene Sichten dazu gab, was nun das richtige Verhalten sei: 

1. „Raus aus dem Wasser“, das war eine Idee. Also Rückzug, weg vom Einfluss. 

2. „Stehenbleiben und bekämpfen, unter allen Umständen nicht nachgeben“, war eine weitere Haltung.

3. „Mit der Welle gehen, durchschwimmen, ohne gegen sie zu kämpfen“, war die dritte Version. 

Die große Welle kam, und jeder der Freunde verhielt sich nach seiner ausgedachten Methode, wie er mit der Welle fertig zu werden glaubte.

Was glauben Sie, wie es ausging? 

Nr. 1 hatte fluchtartig das Wasser verlassen. 
Nr. 2 wurde weggerissen und unter das Wasser gezogen, wo die Felsen am Grund  dafür sorgten, dass er sich den Arm brach.
Nr. 3 tauchte durch, nahm die Herausforderung mit und kam unverletzt am anderen Ende wieder heraus. 

Warum sagte ich das? 

Nr. 1 hat keine Erfahrung gemacht, dieser Freund lief vor dem Schicksal davon und konnte darauf warten, bis er dieser Herausforderung ein weiteres Mal begegnen durfte. Denn die Herausforderungen, die Wellen des Lebens kommen, so wie sie kommen, und sie haben etwas damit zu tun. Das ist etwas philosophisch, aber denken Sie darüber nach …

Nr. 2: Sein Arm wurde gebrochen, weil er die Aufgabe, die auf ihn zukam, nicht angenommen hatte und meinte, dass das Dagegenstemmen funktionieren könnte. Er hat zu egoistisch gehandelt. Er hat das Leben nicht angenommen, so wie es sich ihm darbot. 

Nr. 3: Er nahm an, was da kam. Er schwamm mit dem Leben und der Herausforderung. Er nahm diese Welle auf, ohne sie zu bekämpfen.

Am Abend, als wir zusammen gegessen und den Tag ausgewertet hatten, als unser Freund Nr. 2 mit Gips und weiß um die Nase aus dem Krankenhaus zurück war und wieder unter uns weilte, begann der Freund 3, uns zu erzählen: 

„Wisst ihr“ (so formulierte er in einer liebevollen Art und Weise, ohne andere Sichtweisen in Frage zu stellen, zu werten oder zu bemängeln), „die Wellen kommen, wann sie kommen, sie fragen nicht, ob sie kommen dürfen, und kommen immer in Verbindung mit anderen Umständen, die sich auch zutragen. Diese anderen Umstände sehen wir nicht immer. Aber sie sind vorhanden. Wer kann den Wind sehen? Nur an den Bewegungen könnte man ihn feststellen. Aber der Wind ist das Resultat von etwas anderem. Von Temperaturunterschieden, von Polarisierungen. Bewegung ist dann, wenn es Polarisierung gibt. 
Ohne Polarisierung gibt es keine Bewegung. Und die Welle ist das Resultat von Wind und somit Wetter. Und sie selber, die Welle, ist ein Resultat von etwas, das zuvor stattfand. Zuerst die Polarisierung, dann der Wind, dann die Welle – und diese trifft uns in dem Maße, wie es uns eben betrifft. Wir sind nicht an allen Stränden der Welt und erleben nicht alle Wellen. Aber jeder von uns steht an seinem Strand und erlebt die Wellen, die er eben erlebt.“

Unser liebevoller Freund Nr. 3 fuhr fort: „Und du kannst alles tun, um der Welle zu entkommen. Aber deshalb, weil es gelingt, ihr zu entkommen, heißt das nicht, dass es nicht 'deine' nächste Welle gibt.
Die Frage ist nicht, ob es Wellen gibt oder nicht, denn das ist Teil des Lebens. Sondern wie du damit umgehst. Nimmst du sie an, fliehst du vor ihr, bekämpfst du sie? Was wirst du tun?

In des Freundesrunde kehrte Stille ein. Die Worte von Freund 3 hatten alle berührt, sie verstanden. 

Dann kamen die Fragen von Nr. 1: „Darf ich denn vor keiner Welle fliehen?“
Nr. 3. „Doch. Aber deshalb ist die Welle nicht weg. Vogel Strauß hat es meiner Meinung nach auch nicht geschafft“, schmunzelt er. 
Nr. 1: „Aber wenn ich nicht glaube, es zu schaffen?“
Nr. 3: „Dann wisse, dass du dich vorzubereiten hast. Denn sie kommt wieder. Aber die Tatsache, dass du an diesem Strand zur Zeit dieser Welle im Wasser stehst, zeigt, dass es irgendeinen Bezug geben muss … Wenn du die Chance hast, dich aufzubauen, dann suche dir einen Lehrer und lerne … Wenn du diese Chance nicht hast oder nicht daran gedacht hast, dich vorzubereiten, dann lerne schnell. Bei wem? Bei denen, die dich lehren, dass das Mitnehmen der Wellenkraft die Lösung ist.“ 
Nr. 1. „Und wenn ich den nicht finde?“
Nr. 3: „Dann hat du sicher etwas gelernt: dass man sich um die Wellen des Lebens kümmern soll. Und übrigens: Viel Glück für den Moment, in dem du deine Erfahrung machst ...“

Nr. 2 meldete sich, etwas unter der Wirkung des Schmerzmittels stehend: „Ich – ich – ich – ich bin stark, ich bin … und so weiter, aber ich verstehe, dass das eben nicht genug ist. Ich bin eben 'ich'. Aber das Leben ist 'wir'. Es ist mehr als 'ich', es ist 'wir' und noch mehr 'wir'. Und sich nicht um das 'Wir“ zu kümmern, das heißt zerbrechen … Aber bin ich dann nicht mehr ich, wenn ich 'wir' bin?“ 
Nr. 3: „Doch, aber dieses Problem hat eben das 'Ich', wenn es das Ego ist. Das Erleben von 'wir' schließt das 'Ich' nicht aus, denn wer kümmert sich um das 'Wir'? Das ist das wahrere 'Ich'. Also?“
Nr. 2 schaute sich um, schaute in die Augen der Freunde und wollte Tee für uns zubereiten. Er war glücklich dabei, weil er – also 'ich' – wusste, dass er für uns, also das 'Wir“, etwas tat. Und er wusste, dass das 'Ich' wächst in Relation zum 'Wir'.
„Haha,“ lachte er, „manchmal braucht es etwas Gebrochenes, um zu verstehen.“

Die Sonne ging langsam unter. Einige Sommergrillen unterbrachen mit dem Knistern des Feuerholzes die nun existente Stille. Eine lebendige Stille im 'Wir'. Eine Stille, die voller Leben war. Wir schauten uns an, lächelten innerlich. Alles schien möglich. „Danke“, dachten wir … 

Liebe Grüße

Ihr SiTa-Team