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Die Ski-Tour: 
die eigene Spur zum Ziel finden


Die Temperaturen sind eisig geworden, die Kälte enorm, minus 20 Grad und mehr. Die Fenster öffnen sich mit leichtem Krachen. Die Bewegungen werden langsamer … Nein, es ist nicht ein beginnendes Weltuntergangs-Epos von Jules Verne. Es ist die Beobachtung letzten Sonntag. 

Lilian, eine Schülerin, kommt zu Besuch. Ich koche heißen Kakao, dazu gibt es frisch geschlagene vanillierte Sahne und selbstgebackenes Rosinengebäck. 

Lilian kommt um 14.00 Uhr – hochrote Backen, eisige Wangen, Tränen von der Kälte in den Augen und ein Strahlen, das ansteckt. Der Tisch ist mit zwei Blumen und einer brennenden Kerze geschmückt. Eine kleine Schale mit getrocknetem Lavendel regt angenehm an. Sie erzählt sofort von ihrem Ski-Ausflug, der – so wird sich herausstellen – ein etwas anderer war als sonst:

„Ja, wir hatten uns am Berg getroffen und als Gruppe genau geplant, in welches Dorf wir abfahren wollen. Alle waren sich einig, mehr oder weniger. Manche waren etwas verhaltender, andere waren die Schreier in der ersten Reihe, wieder andere etwas beobachtend und so weiter. 
Los ging's! Schöner Schnee, lustig war's! Die Piste war aber nur wenig präpariert, Und dann eben war es nur noch Neuschnee. Zwar etwas befahren, aber eben keine Piste mehr, die breit ausgetreten war. Gelegentliches Stehenbleiben, Lachen, wie toll das denn alles sei, Scherze übereinander machend … Das Übliche.“

Und so ging die Geschichte weiter: 

Minuten später waren die Menschen weg. Nur noch die Gruppe. Kaum noch Spuren im Schnee, mehr Bäume, höherer Schnee, harter, schwerer Schnee, etwas nass von der Sonne, das ging ganz schön in die Oberschenkel …
Wieder stehenbleiben, Wald, hohe Bäume, schattige Temperaturen, die Sonne verdeckter, Tiefschnee begann. 
Welcher Spur sollte die Gruppe folgen? Welche war die richtige? Die jungen Leute standen herum und untersuchten die Spuren. Diese waren eisig, tief gefurcht, ausgefahren, keine Veränderung zulassend. Ein Gezeter und Gejammer begann um das Thema: Welche ist die richtige Spur? 

Lilian erdreistete sich und stellte die Frage: „Und was ist, wenn keine Spur die richtige ist?' - Schweigen. 
„Sind denn nicht die Spuren Ergebnisse von denen, die bereits hier waren?“ „Sind denn nicht Spuren überhaupt erst mal Eindrücke, die jemand hinterlassen hat?“ 
„Ja, dann waren welche hier und hinterließen Spuren!“ -  Allgemeine  Erleichterung! Lilian versuchte, den anderen zu erklären, dass eine Spur erst mal ein Hinweis ist, dass jemand wo hin wollte. Aber wo wollte er hin?

„Und wie steht's mit uns?“ „Woran orientieren wir uns?“ 
Lilian, die mittlerweile zur Sprecherin geworden war, gab zu verstehen: „Am Ziel.“
„Ja, aber das sehen wir doch nicht!“ Große Einigkeit, endlich einen Punkt gefunden zu haben, der „wirklich“ so war und die Chance auf ein Aufgeben bot. Die anfangs Unbeteiligten der Gruppe begannen, sich leicht zusammen zu scharen, deutlich erkennbarer Widerstand, sie rauchten, schauten sich um …
„Eben“, so Lilian, „also umso risikoreicher ist es, einfach einer Spur, die bereits existiert, zu folgen.“ 
Einige stimmten ihr zu, sie verstanden es.  
„Woher wissen wir“, fuhr sie fort, „nur weil eine Spur existiert, also sichtlich schon mal befahren wurde, dass sie nicht in ein Schneeloch führt? Wer weiß das? Die Spur sagt nichts über den Ausgang aus. War es schließlich ein One-Way-Ticket? Wie ging es aus? Es ist schließlich die Spur eines anderen.“

Es ist wie mit unserem Verstand. Nur weil wir etwas denken, was wir eventuell immer in so Situationen denken, heißt das nicht, dass das Befolgen dieses Gedankens uns zu unserem Ziel führt. Der Gedanke ist da – die Spur ist da. Der Verstand gibt das preis, was er eben an Erfahrung in dieser Situation zur Verfügung hat. (Das Wort „Erfahrung“ stammt unter anderem von „erfahren“, also bereits eine mit der Kutsche befahrene Strecke, über diese ist man in Kenntnis, als ist man „erfahren“.) - Aber wenn man noch nie an diesem Ort war, wo die Gruppe hinwollte? Wenn man keine Erfahrung hat? Dann kommen Annahmen, Ähnlichkeitsberechnungen, Annäherungen … alles nicht sehr verlässlich. 

Inzwischen begann es, dunkel zu werden. Die Gruppe wurde hungrig, nässliche Kleider – sie hatten sich ja zigfach lustig in den Schnee schmeißen müssen. Wohlgemerkt, auf der breiten Piste. „Na ja,  typisch“, dachte Lilian, während sie anfing, ihre Kopflampe aus dem Rucksack zu holen. Die anderen, es gleichtuend, teils murrend, sich über Lilian beschwerend und guten Gefühls, eine Schuldige gefunden zu haben für das Malheur, machten sich langsam auf, sich mit den anderen in Formation aufzustellen.  
Sie mussten weiter, der für den Abend angekündigte Schneefall setzte tatsächlich ein. Ein irgendwo bellender Hund ließ das Kopfkino einiger in Richtung „Oh je, Transsilvanien!“ lospoltern.

Nun brauchte es Technologie, Management-Technologie. Lilian teilte ein. 
„Erstens“, sie war laut geworden, „wir versetzen uns geistig in die Lage, bereits im Dorf angekommen zu sein. Das tun wir so lange, bis wir wissen, dass es so ist. Dies erzeugt eine Sogkraft, die uns heimbringt.“
Die Mutigen machten sich sofort an diese Übung. Die anderen fürchteten sich, das zu tun, wieder andere fanden es lächerlich, und die die „Kopftoten“ merkten nicht, dass sie etwas tun sollten. 
„Wir nehmen die, die das können“, sagte Lilian in klarem Ansageton, „und tun es. Wir halten uns nicht mit den anderen auf. Aber wir lassen sie nicht zurück oder im Stich. Sie bekommen die Info, einfach nicht zu stören und uns zu folgen.“ 

Übung abgeschlossen. Nun war klar, 5 Leute – 3 Jungs und 2 Mädchen – waren das Führungsteam. Sie trauten der Vision, angekommen zu sein. Sie waren die Speerspitze. Sie vertrauten sich. Ihnen war zu trauen. 9 weitere waren die Mannschaften. Sie waren insgesamt 14. 

Nun zu den Stärken: Welche Stärken waren nötig, um nach Hause zu kommen? Gute Sicht, Kraft in den Beinen, äußerste Bereitschaft zur Disziplin, Kommunikations-bereitschaft, Mut. Orientierung, Achtsamkeit, Beobachtungsgabe, Teamgeist. 

Es fanden sich 2, die das konnten. Sie bildeten die Vorhut:

„Die Strategie: Wir gehen auf Sicht und auf Rufweite vor. Nicht weiter. Wir 2 legen die Spur, die wir geprüft haben, und kommen zurück. Und der Rest zieht nach. Wir folgen keiner bereits vorhandenen Spur, außer wir sehen sie als für unser Vorhaben als brauchbar an.“

Das Risiko: Schneelöcher. 
Die Absicherung: sich anseilen (aus den Anoraks wurden die Bänder herausgenommen, das hielt erst mal).

Schwächen: 4 Teilnehmer jammerten stark, teils weinten sie. 
Eine Stärke dazu tun: Einer vom Visionsteam ging hinten mit ihnen und „betreute“ sie. Außerdem bekamen sie klare Anweisungen, sich am Vordermann festhalten zu müssen und alle 5 Schritte zu sagen, dass sie da sind. „12345 – wir sind da!“ - Klingt komisch, es hielt sie aber erfolgreich von ihrem Kopfkino ab. 

Also: eigene Verantwortung bezüglich des Ziels, eigene Strategie der Jetzt-Situation, angemessen und gemäß den folgenden Möglichkeiten: eigene Wegsuche, kein Folgen irgendwelcher Spuren, nur weil sie da sind. Keine ungeprüften Ratschläge angenommen, selber eine Ermittlungsgruppe ausgesucht – und die richtigen Leute an den richtigen Platz gesetzt. 
Das Ganze im Rahmen der eigenen Kontrolle. Und ausgerichtet nach dem inneren Glauben an das Erreicht-Haben des Ziels. 

Der Vorgang des Vorspurens wiederholte sich alle 15 Minuten. Die Gruppe kam gut voran. Die Vorderen glaubten und folgten der genauen Strategie. Sie änderten nichts, sie dachten sich nicht einfach etwas aus und fingen an, es auszuprobieren. Sie hatten das „Winning Horse“, und das wurde geritten und nur das. 
Die Hinteren zählten und sagten, dass sie da sind. Ob der Disziplin der Führungskräfte verloren sie jede Art von Lächerlichkeit. Nein, im Gegenteil: Sie waren im Strategieteam und sie hatten eine Aufgabe: zählen und sagen, dass sie da sind. Sie wurden stolz, ermahnten sich gegenseitig, wenn einer schwächelte. 

Dann eine Pause. Es wurde nicht gesprochen. Stille, aber diese Stille, wenn es nichts zu sagen braucht. 2 Visionäre gingen zu den Zählern und nickten ihnen zu – das war noch mehr beflügelnd. 
Dann weiter. Sie gingen 4 Stunden, änderten nie etwas, wie ein Guss, eine Schweizer Uhr, präzise. 
Ein Zähler brach zusammen. Wortlos trugen ihn die anderen weiter. „Geht weiter, wir machen das schon!“, war Ausdruck ihrer Haltung. Das wiederum beflügelte alle. Nichts unterbrach ihre Routine. 

Dann – der Wald lichtete sich, und es war kaum zu glauben: Das Dorf lag direkt vor ihnen. Es hätte hunderte anderer Stellen gegeben, wo sie aus dem Wald hätten treten können. Die Visionäre schmunzelten:
 „Unser Vertrauen in unser Ziel, unsere Einschätzung der Lage, unser selber den eigenen Weg Suchen, unser Zusammenstehen und unser Respekt vor allen Teammitgliedern und unsere Disziplin sowie vieles mehr brachten uns nach Hause.“ 
Das Berghaus, in dem sie wohnten, betraten sie andächtig. Keiner sprach. Sie fielen in ihre Betten und schliefen ruhig und zufrieden.

Am nächsten Morgen, nach einem lauten, lustigen Frühstück, in dem jeder ein Held war, verabschiedete sich Lilian von der Gruppe. Als sie zur Tür ging, standen alle auf: „12345 – wir sind da!“, schallte es ihr entgegen. Insbesondere von den Zählern der Gruppe, für sie wurde es der Gruß der Woche und das Motto der Gemeinschaft. Schnell drehte sich Lilian nach einem Lächeln um und ging. Es war einer dieser Momente, wo sie nicht mehr nachdachte -  „Es ist einfach, wie es ist.“ 

„Weißt du, Onkel“, sagt Lilian, ist es in Ordnung, wenn ich gerade für ein paar Minuten nichts sage?“ 
Ich lächle sie an, und wir beide schmausen das Gebäck und trinken unseren Kakao.