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Fachbrief Juli 2018

Adrian und der Teich 

Eine Geschichte zum Tun, nicht nur zum Nachdenken

Adrian, ein junger Mann, schlendert (etwas gelangweilt) wie gewöhnlich bei seinem Nachmittagsspaziergang durch die Landschaft. Es ist heiß. Ein heißer, schwüler Tag, 32 Grad. 

Er kommt an einen Tümpel. Ein etwas modriger, abgestandener Tümpel. Irgendwie hat er das Verlangen, hier zu verweilen. Eine Bank lädt ein, Platz zu nehmen, was er tut. Die Beine langgestreckt, die Arme hinter dem Kopf. Ein Nickerchen scheint es zu werden. 

Er schläft ein. Einige Grillen zirpen vor sich hin. Sengende Stille. Adrian beginnt, einen Traum zu haben … Der Teich spricht auf einmal zu ihm:„Adrian, ich bin müde ...“, flüstert der Teich, „so viel Zeug drinnen, ich werde kaum fertig damit. Äste, Moose und fast keine Bewegung. Ich schicke mein Wasser, welches etwas trüb ist, schon um die Teichpflanzen herum. Der Dreck am Grund macht es mir schwer, mich zu bewegen …“Der Teich hat sein Haupt gesenkt. 

Adrian ist etwas mitfühlend und versteht nur zu gut. „Ein träger Bursche, dieser Teich“, denkt Adrian, „so zäh und auch fest. Was ist nur los mit ihm?“ Adrian, seines Zeichens sehr hilfsbereit, ergreift vom Nachbarhaus – es steht etwa eine Minute entfernt vom Teich – einen alten Gartenschlauch, der da herumliegt, dreht den Hahn auf und spritzt frisches Wasser in den Teich. 

Zischen, Wirbeln, Spritzen, Bewegung … Adrian meint, das würde ihm sicher gut tun. Doch verkehrt! Der Teich regt sich auf über so viel Bewegung in seinem eingefahrenen Tümpel-Dasein: „Ich halte diese viele Bewegung nicht aus! Es ist mir zu viel, meine ganze marode Ordnung, die ja dennoch eine ist, wird durcheinandergebracht!“ 

Adrian versteht die Welt nicht mehr. Es ist doch etwas Richtiges, was er tut – Frische rein, wo keine ist. Aber dem ist nicht so. Der Teich ist das nicht gewohnt. Er hat sich auf eine Weise arrangiert mit all dem Zeug, was in ihm herumschwimmt und ihn träge und fest macht. 

Adrian gibt nicht auf. „Hör mal, du Teich“, schimpft er etwas, „kennst du das nicht, dass es fließt? Kennst du das wirklich nicht? Wie kannst du denn nur so fest geworden sein, wenn du nicht vorher lebendig warst? Warum stört es dich denn auf eine Weise, dass du so träge bist? Es kann dich doch nur etwas stören, weil du es anders kennst! Sonst könntest du dich ja gar nicht mal aufregen! Du würdest das Trübe doch als Einziges kennen, und es wäre dann völlig normal. Oder??“ 

Der Teich wird stutzig. Das leuchtet ihm etwas ein. „Und noch was, lieber Teich: Das Wasser, das ich dir zuführe, das erinnert dich doch nur an deine Natur. Und der Ärger, den du dabei hattest, ist doch nur deshalb, weil du dich erinnert fühlst und gleichzeitig siehst, wie's um dich aber tatsächlich steht. 

Verstehst du? Das nennt man auch die „Erstverschlechterung“, denn angesichts der Qualität siehst du erst die ganze Unqualität!Jetzt wird er sauer, der Teich, und er beschimpft den Adrian: „Was glaubst du, wer du bist, mir so was zu sagen! Ich bin sehr lange schon da und habe sehr viel Erfahrung … Und du mit deinem frischen Gartenwasser meinst, mir was sagen zu können!?“

Adrian kennt das. Er freut sich sich: Der Teich regt sich auf, das ist ja schon mehr Bewegung als nur so da zu liegen und vor sich hin zu modern. Einige unruhige Wellen sind im zornigen Teich zu sehen. Einige sehr brave Moose, die sich schon bereit gemacht hatten, den Teich in ein Moor zu verwandeln, saufen etwas ab. 

Hupps! Das kennen sie ja gar nicht. Auch sie beschweren sich etwas und flüstern dem Teich argwöhnische Worte zu: „Schau mal, was der da tut, dieser blöde Adrian mit seinem Frischwasser! Es war so schön ruhig … Du brauchtest dich um nichts zu kümmern … Lieber Teich, wir haben dich schon fast zugedeckt mit unserem Grün, oder? Du bist zu Recht sauer. Wir sind deine wahren Freunde … Das weißt du doch ...“ 

Adrian und der Teich sind immer noch im Gespräch. Der Teich schimpft mit Adrian. Die Wellen werden höher, die Bewegung stärker. Adrian dreht jetzt das Wasser erst recht auf und besprüht die tückischen Moose, als alsbald langsam wegtauchen. 

„Siehst du, was er dir tut, der Adrian! Er ist gegen dich – so viel Schmerz, wie er dir verursacht! Und so eine blöde Theorie: dass du dich erinnern solltest, dass du ein frisches Wasser bist ...“Adrian pfeift und singt vor sich hin und liebt seinen Teich voll und ganz. Manchmal passt er nicht auf, und dann fliegt ihm ein modriger Ast um die Ohren. Adrian weiß, er hat nicht aufgepasst. Na ja … 

Adrian spritzt weiter und der Teich tobt. Die Moose bieten alles auf: „Wir ertrinken, lieber Teich! Das kann doch nicht richtig sein! Hilfe, Hilfe!!!“ Die Äste reißt es aus dem schlammigen Boden, sie treiben lose herum, schimpfend, orientierungslos, entwurzelt, sich aufregend. „Der blöde Adrian“, tönt es aus den Untiefen des schlammigen Etwas, das Teich heißen soll.

Adrian und der Teich merken alsbald, dass sie hier ganz schön was angerichtet haben. Doch der Teich merkt die Bewegung, er spürt seine zornige Lebendigkeit, und er erkennt sie. Er weiß auf einmal, dass er keinen Zufluss und keinen Abfluss mehr hat und deshalb fest wurde. Und erst danach kamen die Moose und der Schlamm … Ja, das hat er jetzt verstanden. Die Bewegung zu ihm und von ihm hat geendet … Die Energie des Lebens ist nicht mehr geflossen. Er hat aufgehört, das Wasser weiterzugeben. Er hat aufgehört, es weiterfließen zu lassen. Er hat es für sich haben wollen, er ist egoistisch geworden und hat die Strömung des Lebens unterbrochen. 

Adrian anerkennt dem Teich dieses Einsehen, und sie beginnen zu suchen, wem sie denn nichts mehr gaben, obwohl sie es vorher getan hatten. Und siehe da, sie finden die Furt, wo das Wasser immer herausgeflossen war, und sie fanden den Ort, wo das Wasser zum Teich floss. „Man kann doch nicht immer geben.“„Man muss doch auf sich selber schauen und sich um sich selber kümmern.“„Ich will doch auch was haben.“Und so weiter – eine ganze Menge dieser Verstopfungssätze haben den Fluss und den Zugang zu anderen versperrt. 

Adrian erklärt: „Weißt du, Teich, wann waren deine besten Zeiten? Wann war das Wasser am reinsten?“ 

Der Teich überlegt: „Als es am schnellsten geflossen ist. Da haftete kein Ast, kein Moos. Es konnte sich nicht mal ein Schlamm ansetzen, so schnell war ich … Aber man muss ja ein bisschen langsam machen, sich ausruhen ...“ „Das kann stimmen zur rechten Zeit. Aber zur falschen Zeit ist es einfach nur eine Ablenkung. Die Moose sind besonders gut darin, der Schlamm ebenso, denn er verträgt ja gar keine Geschwindigkeit.“ „Hm, das leuchtet ein. 

Also“, sagt der Teich, „dann lass uns mal Bewegung machen. Ich schlage einfach mal Wellen, das ist das, was ich kann.“Die Moose und der Schlamm sind entsetzt über so viel Bewegung des Tümpels. „Ich möchte nicht mehr 'Tümpel' genannt werden. Ich bin ein wunderbarer klarer Teich. Versteht ihr das? Und jedes Mal, wenn ihr mich Tümpel nennt, schlage ich Wellen die ganze Nacht. Okay? Außerdem werde ich mit Adrian mehr Schläuche holen, und wir spritzen alles nass.“

„Na ja“, sagen die Moose, „so meinen wir das ja nicht! Sicher bist du eh ein guter Teich, wir wussten das immer schon.“Der Teich schmunzelt: „Wartet nur, es wird noch ärger.“ Die Moose wenden sich nun an den Schlamm und erklären ihm, dass er gefälligst nicht so faul herumhängen soll. 

Es ist Teichzeit angebrochen … „Na ja“, denkt der Teich, „so kann man's auch machen. Aber besser so als anders.“ Adrian bemerkt, wie der Teich immer mehr Wasser abgibt und somit Platz hat, dass neues Wasser auf ihn zukommen kann, was auch geschieht. Der Teich wird wunderbar klar. Viel heraus zuerst, und zwar genau von dem, was am anderen Ende hereinkommen soll. 

Der Energiekreislauf mit anderen Seen und Flüssen und Teichen ist so stark und ihre Verbindung so kraftvoll, dass kein Moos sich traut zu mucksen, kein Schlamm auch nur die Idee bekommt zu entstehen. Ein Fließen, das zwischen den Beteiligten ihre Beziehung in eine wahre Freude führt. Geben und Nehmen im Überfluss. Je mehr du von etwas gibst, desto mehr bekommst du zurück … Und das, was du haben möchtest, musst du zuerst geben. Es ist ein Gesetz des Lebens, dass der kraftvolle Teich, in dem sich Seerosen bilden und auch Fische  wohlfühlen, einfach nur geben muss, um zu empfangen. Nichts aufhalten, es fließen lassen, und die besten Bewohner finden sich ein. 

Zum Beispiel der japanische Koi, der nur das brillanteste Wasser liebt, der kommt zum Schluss. Adrian sagt bedächtig: „Achte auf die Reinheit deines Wassers. Geh dem Schlamm und den Moosen nicht auf den Leim, auch wenn sie noch so flöten und säuseln … Energie muss fließen, Stillstand ist Untergang ...

“Willst du Liebe? Gib sie. 

Willst du Anerkennung? Gib sie. 

Willst du Erfolg? Mach andere erfolgreich. 

Willst du einen treuen Partner? Sei treu. 

Lebe das von Herzen, gib, was du empfangen willst. Und wenn du nichts zu geben hast – was ohnehin schwer zu sein scheint –, dann gib ein Lächeln. 

Der Teich ist in Gemeinschaft und Verbindung mit all den anderen. Sie sind stark im Zusammenwirken, in ihrem Geben und Nehmen. Die Moose lernen, der Schlamm auch, das dürfen sie … Und auch sie wussten es immer schon, dass Geben und Nehmen richtig sind. 

„Hey, Schlamm, ich habe etwas Grünes da. Willst du das? Ich möchte es dir geben.“ Peinlich berührt stimmt der Schlamm dem Angebot des Mooses zu.„ Ich habe auch was für dich, ein graues Etwas.“ Moos und Schlamm schauen sich an. „Ob da was dran ist?“ –  „Hmmm, ich denke schon.“ Das Moos zupft schon wieder an etwas, was es geben könnte … Still wird es in ihren Herzen. Insgeheim denken sie: „Auch wenn es noch ein bisschen einsam ist, bis alle Moose und Schlämme das tun können.“ 

Hört bitte nicht auf, Adrian zu sein. 

Und der schreckliche Onkel Ferdinandus, den keiner mag: „Ach, weißt du was, den ruf ich doch einfach mal an und lass mir seine Moose um die Ohren wehen. 

Machst du mit?“  - „Ja klar, macht Spaß.“Adrian wacht auf, guckt auf den Tümpel vor sich und lächelt. Was für ein wunderbarer Teich! „Ich weiß, du bist ein Teich. Da drüben ist ein Haus, und das hat einen langen Gartenschlauch. Mal sehen ...

“Macht ihr mit? 

Danke! Euer Team von SiTa Consulting